Meine Lieben!
Ich weiß, dass ich mich schon wieder viel zu lange nicht gemeldet habe, aber jetzt habe ich es doch tatsächlich geschafft, mir eine neue Tastatur zu kaufen und nun wird es in nächster Zeit auch wieder vieeel mehr von mir zu hören geben denn obwohl ich mich nicht gemeldet habe, ist doch einiges passiert. Zunächst habe ich mir überlegt, berichte ich von meiner Arbeit und meinen täglichen Aufgaben. 🙂
Wie ich ja schon mal erwähnt hatte, arbeite ich in einer Kindertagesstätte für zwei- bis siebenjährige Kinder, die aus sozialschwachen Familien kommen. Grundsätzlich arbeite ich mit den 2-4 Jährigen, die sehr viel weinen und streiten und mit denen man sehr viel Geduld haben muss, weil sie viele Dinge, die für uns schon selbstverständlich sind, nicht einsehen wollen. Ich beginne meinen Tag immer um 7 Uhr morgens. In der ersten Stunde wird immer auf die ganzen Kinder gewartet und ein bisschen gespielt und manchmal noch Material für den Tag vorbereitet. In der Zeit passiert meist nicht so viel. Um 8 gibt es dann Frühstück und dann beginnt die Hauptarbeitsphase. Jeden Tag wird eine Sache künstlerisch erstellt und manchmal sind die Sachen sogar so schön, dass ich in der Mittagspause das dann für mich nachbastle. Ja, ihr habt richtig gehört, ich bastle. Ich gehe hier zwischen den ganzen 2-4 Jährigen völlig auf, weil ich mich mit ihnen verbunden fühle beziehungsweise sogar manchmal besser bin (gilt aber nur für die Kleinen) und ich entwickle hier sowohl Spaß als auch Kindertalent für das Künstlerische. Zudem ist Mittwoch immer Umwelt/Recyclingtag und dann werden dann aus alten Socken, Klopapierrollen oder unbrauchbaren alten Dingen meist besonders tolle Sachen gebastelt. 🙂 Nun ja, jedenfalls geht die Arbeitszeit dann bis ungefähr 9, je nachdem wie schnell die Kinder arbeiten, und danach wird erstmal gespielt. Da passe ich dann auf, dass nichts passiert und versuche Streit zu schlichten oder zu trösten. Um 10 gibt es für die Kinder dann eine kleine Merienda also Pause mit Essen, was meistens Obst ist. In der Zeit habe ich auch eine Viertelstunde Pause. Danach unterscheidet sich mein Tagesablauf von Tag zu Tag. Montags, donnerstags und freitags bin ich dann wieder bei den Kleinen. Da wird dann mit Knete geformt, Farben gelernt, Dinge zugeordnet oder kleine Denkaufgaben erledigt. Kurz, die Kinder werden im Allgemeinwissen unterrichtet. Das geht dann so bis viertel vor 11 oder 11, je nachdem, dann wird mit den Kindern gelesen, sprich es wird eine Geschichte vorgelesen und danach werden die Kinder mit Fragen getestet wie gut sie zugehört haben. Wussten sie die Antworten, bekommen sie einen Sticker oder Stempel, wussten sie sie nicht, bekommen sie nichts und das reicht als Strafe schon genug aus. 😉 Das Ganze geht dann so bis viertel nach 11 und dann ist der Bereich Musik für die Kinder dran. Jetzt wird eine DVD eingelegt auf der man andere Kinder tanzen und singen sehen kann und die Kinder werden animiert selbst zu tanzen, zu singen und manchmal auch mit ein paar „Instrumenten“ im Rhythmus mit zu spielen. Dieser Teil des Morgens ist, wie ihr euch vorstellen könnt, mein liebster. Mittlerweile kann ich meine Lieblingslieder inklusive Tanz auch auswendig also geht es in unserem kleinen Raum jeden Tag wie bei einer Kinderdisco heiß her. 😀 Donnerstags geht die Musikphase für mich dann bis viertel vor 12 oder 12, je nachdem, und dann gibt es für die Kinder Mittagessen. Montags und freitags gebe ich um halb 12 noch eine halbe Stunde Englischunterricht für die Älteren also Vier- bis Siebenjährigen. Jede Woche gibt es bei uns ein neues Thema zu dem jeden Tag etwas gemalt wird wie Musikinstrumente, Stimmungen oder Tiere und an dieses Thema lehne ich dann auch meinen Englischunterricht an. Das Ganze funktioniert mehr oder weniger gut, weil die Kinder leider oft nicht interessiert daran sind Englisch zu lernen und gerade die Jüngeren wollen auch nicht einsehen wie wichtig Englisch für die Zukunft ist, aber ich gebe auf alle Fälle mein Bestes. Um 12 gibt es dann Mittagessen.

Teil des Hauptaufenthaltraumes und Arbeitsraum der Älteren

Anderer Teil des Raumes – hier wird gearbeitet und gegessen

Auch in dem Raum – Arbeitspult von meinen Kolleginnen und mir
Dienstags gehe ich nach der Merienda mit den Älteren ins Maracanà, das ist ein riesiger „Sportplatz“ in der Nähe auf dem man Runden laufen kann und in dem es in der Mitte eine runde Grasfläche gibt. Hier können sich die Kinder zwei Stunden lang austoben. Für mich ist das meistens nicht so spannend, weil ich nicht so viel zu tun habe, weil die Älteren sich nicht ganz so viel streiten und es auch keine gefährlichen Stellen gibt, aber es ist trotzdem immer ganz schön und vor allem die Kinder lieben es total da, was ja das Wichtigste ist. Pünktlich um viertel vor 12 geht es dann wieder zurück, weil es ja dann Mittagessen gibt.

Hier waschen die Kinder ihre Hände und hier wird das Essen auf den Tellern verteilt

Meine Vorgängerin hat in Sachen Deutschlanddeko schon ein bisschen was vorgelegt 😀

Spielraum drinnen
Mittwoch ist mein ABSOLUTER Lieblingstag. Erst wird was Tolles gebastelt und dann geht es nach der Merienda mit den Älteren in die Bücherei. Die Bücherei ist unumstritten mein Lieblingspart der gesamten Woche und wenn wir mal wegen Regen nicht hingehen können, bin ich sogar noch enttäuschter als die Kinder. 😀 Auch da wird gesungen und getanzt, gemalt, manchmal ein Film geguckt und vor allem danach vorgelesen. Früher haben die Kinder sich die Bücher immer nur angeguckt, aber ich habe jetzt eingeführt, dass auch vorgelesen wird. Am liebsten lese ich die Prinzessinnengeschichten und weiß jetzt auch schon viele Märchenamen auf Spanisch wie zum Beispiel Aschenputtel das im Spanischen Cencidrillon heißt. 😀 Außerdem bilde ich mir auch ein, dass das auch eine gute Übung für mein Spanisch ist. 😀 Wie ihr sehen könnt, ist die Bücherei jedenfalls toll, aber auch da geht es dann um viertel vor 12 zum Mittagessen.

Geburtstage der Kinder

Teil des Arbeits – und Aufenthaltsraumes der Kleinen und mein „Reich“ 😉

Anderer Teil des Raumes
Ab da ist jeder Tag wieder ungefähr gleich. Ich bin ab da wieder bei den Kleinen und helfe fleißig beim Füttern, weil kleine Kinder ja niemals ihren Teller aufessen wollen, das aber sehr wichtig ist, weil es zuhause oft nichts oder nicht viel gibt, weil das Geld fehlt. Danach werden den Kindern die Zähne geputzt und dann wird noch eine halbe Stunde ferngeschaut bis dann um eins Zeit für den Mittagsschlaf ist. Damit die Kinder auf den ausgebreiteten Matten auf dem Boden auch wirklich alle gleichzeitig schlafen wird ruhige Musik angemacht und den Kindern wird immer wieder so lange über den Rücken gestrichen, bis sie eingeschlafen sind. Das dauert meistens so bis viertel nach eins, dann schlafen alle und meine zwei Kolleginnen und ich haben endlich Mittagspause. Zunächst essen wir die Reste vom Mittagessen und trinken Kaffee und lästern ganz viel über die Kinder und Mütter (nein, natürlich nicht :D). Danach wird manchmal Unterrichtsmaterial für den nächsten Tag vorbereitet oder ich bereite meine Englischstunden vor oder bastle die Arbeit der Kinder vom Morgen nach oder mache mir Gedanken was man in den Kindergarten einführen könnte was es in deutschen Kindergärten gibt und was nützlich ist oder mache Vorschläge was man so als Bastelarbeit am Morgen machen kann und sowas. 🙂 Nach und nach wachen die Kinder dann auf und dann heißt es ihnen wieder die Schuhe anziehen und mit ihnen spielen bis dann um viertel vor drei alle aufstehen müssen, weil es um drei nämlich nochmal eine Merienda, also was Kleines zu essen gibt für die Kleinen. Eigentlich habe ich dann danach, also so um drei, Feierabend, aber mittlerweile hat es sich bei mir eingespielt, dass ich fast immer zwischen einer halben Stunde bis zwei Stunden, also wenn der Kindergarten schließt, länger bleibe, weil nach der Merienda die Kleinen nur noch ein kleines Spiel machen was ihr Allgemeinwissen oder ihre Geschicklichkeit fordert, wie Farben üben oder einen Ball durch einen Reifen werfen und danach nur noch spielen bis ihr Mütter kommen und das ist nicht so anstrengend und außerdem macht mir meine Arbeit auch ziemlich Spaß! 🙂

Materialien für Sport, Musik, Lernen und „Lernspiele“

Arbeitsmaterialien und Spiele

Bastel – und Arbeitsvorrat
Um fünf schließt der Kindergarten dann und so geht das die ganze Woche. Wenn ihr noch Fragen habt, fragt ruhig! 🙂
Abschließend wollte ich nochmal schreiben, was mir für Unterschiede zu „normalen“ Kindern auffallen denn auch hier gibt es reichere Leute und „normale“ Kindergärten. Im Grunde genommen sieht man an den Kindern und ihrem Verhalten keine Unterschiede, es gibt gut erzogene und verwöhnte Kinder, schwierige und liebe Kinder. Man erfährt über ihre Armut dann eigentlich nur durch die Mütter, die sagen, dass ihre Kinder obwohl sie zu spät sind trotzdem noch frühstücken müssen, weil sie kein Essen zuhause haben oder andere die zu sechst in einem kleinen Raum hausen, in dem sowohl Schlafzimmer, Küche als auch Wohnzimmer sind. Und die ganze Familie schläft in diesem kleinen Raum in einem King Size Bed. Von den Kindern an sich kriegt man meistens nur mit, dass zum Einen das Spielzeug unheimlich schnell kaputt geht, weil die Kinder einfach nicht wissen wie man damit umgeht, weil sie zuhause keins haben und zum Anderen, dass manche Kinder manchmal das Essen von ihrem Nachbarn klauen oder Reste vom Tisch essen, weil sie so Hunger haben, dass die Portion auf ihrem Teller nicht reicht.

Teil des Außenspielbereichs

Anderer Teil des Außenspielbereichs – hier wird manchmal noch eine Rutsche aufgestellt
Zusätzlich zu den Räumen auf den Fotos gibt es noch einen kleinen Eingangsbereich der auch draußen ist, (alles ist überdacht), indem die Kinder spielen können und zudem werden dort in der Mittagspause während die Kinder schlafen, Schaukeln aufgehängt auf denen sie dann nachmittags spielen können. Sonst gibt es nur noch eine Küche in der gekocht wird und in der die Erzieherinnen essen und Pause machen. So ich glaube, das war jetzt erstmal ziemlich ausführlich. 🙂 In nächster Zeit kommen dann auch noch drei weitere Einträge und dann natürlich auch noch das was so in der Zukunft passiert. 😀
Bis dahin wünsche ich euch alles Gute,
Anne ❤